Xiehouyu – Chinesische Sagwörter (Elke Spielmanns-Rome)

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Richter Bao läßt Chen Shimei hinrichten

包公斩世美——公事公办
Bāogōng zhǎn Shìměi——gōng shì gōng bàn

Richter Bāo lässt Shìměi hinrichten —— (chéngyǔ) wickelt dienstliche Angelegenheiten ab, ohne sich von persönlichen Gefühlen/privaten Interessen leiten zu lassen
Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps

Shìměi hieß mit vollem Namen Chén Shìměi 陈世美 und war ein armer Schüler, der sich von seinem Heimatdorf in die Hauptstadt begab, um an der kaiserlichen Beamtenprüfung teilzunehmen. Von seinen Leistungen tief beeindruckt, bot der Kaiser ihm die Hand seiner Tochter an. Chén Shìměi nahm das Angebot freudig an, obwohl er zu Hause bereits verheiratet war. Nach langer Zeit vergeblichen Wartens auf die Rückkehr ihres Mannes kam die erste Ehefrau, Qín Xiānglián 秦香莲, schließlich in die Hauptstadt. Chén bezahlte einen Mörder, der Xiānglián und die gemeinsamen beiden Kinder töten sollte. Der Mörder zeigte jedoch Mitleid mit der Frau und half ihr, den treulosen Chén bei dem für seine Unbestechlichkeit bekannten Richter Bāo (Bāo Zhěng 包拯, 999–1062) anzuzeigen. Dieser sorgte dafür, dass Chén Shìměi seine gerechte Strafe erhielt – ein für einen Richter nicht ganz ungefährliches Unternehmen, gehörte der Angeklagte doch der kaiserlichen Familie an. Diese Episode ist der Inhalt einer bekannten Oper, die den Titel „Chén Shìměis Hinrichtung“ trägt.