
Mao mit Schirm (!?) – Kein leichtes Spiel mit chinesischen Wortspielen
Ein Vortrag von Elke Spielmanns-Rome
Donnerstag, 10. Juni 2010 um 16.00 Uhr
Raum 1, 3. OG, Regina-Pacis-Weg 7, 53113 Bonn
Veranstaltet vom Institut für Orient- und Asienwissenschaften
Abteilung für Sprache und Geschichte Chinas
im Rahmen des Studium Universale
Xiehouyu, chinesische Sagwörter, erfreuen sich in China allgemeiner Beliebtheit. Die umgangssprachlichen Redewendungen bestehen aus zwei Teilen: Der erste Teil hat bildhaften Charakter und wird vom zweiten – erst nach einer kurzen Kunstpause gesprochenen – Teil in oft überraschender und witziger Weise aufgelöst. Dabei ist die vermeintliche „Auflösung“ oft Aufhänger für ein kalauer-artiges Wortspiel.
Mittels eingängiger und amüsanter Beispiele führt Elke Spielmanns-Rome in den Wortwitz der Chinesen ein. Damit sich dem Zuhörer die wahre Bedeutung der vorgestellten Xiehouyu erschließt, vermittelt die Vortragende gleichsam „nebenbei“ wertvolles Hintergrundwissen zu Brauchtum, Kultur und Geschichte der Chinesen.
Ist man als Nicht-Muttersprachler mit xiēhòuyǔ und deren Doppeldeutigkeit nicht vertraut, kann das leicht zu mehr oder weniger folgenreichen Missverständnissen führen. So geschehen in den 1970er Jahren als Mao Zedong dem Time-Magazin ein Interview gab und sich als „Mönch mit Schirm“ bezeichnete. In der westlichen Presse kursierte noch Jahrzehnte später das Bild des „einsamen Mönchs, der die Welt mit einem löchrigen (?!) Regenschirm durchwandert“. Mao fühlte sich indes keineswegs einsam, ganz im Gegenteil. Der „Mönch mit Schirm“ ist der erste Teil eines xiēhòuyǔ, dessen B-Teil eine völlig andere Aussage enthält. Diese lautet: „irdischen und himmlischen Gesetzen trotzen“. Mit anderen Worten: Mao verwies scherzhaft und doch unverhohlen auf seine uneingeschränkte Macht.
Elke Spielmanns-Rome ist Dipl-Übersetzerin für Chinesisch und Japanisch und Vorstandsmitglied der Bonner Gesellschaft für China-Studien. Im Oktober 2009 hat sie gemeinsam mit Professor Wolfgang Kubin das erste chinesisch-deutsche "Wörterbuch der chinesischen Sagwörter" im Helmut Buske Verlag herausgegeben.


